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Reicheneck hat wieder einen Dorfladen


Reicheneck hat wieder einen Dorfladen

Nahversorgung - In Reicheneck gibt es seit Samstag wieder einen Nahversorger. Er ist genossenschaftlich geführt

REUTLINGEN-REICHENECK. Fast sieben Jahre ist es her, dass der letzte Reichenecker Lebensmittelladen geschlossen werden musste, weil er sich für den Betreiber nicht mehr gelohnt hat. Seit vergangenem Samstag gibt es einen Nachfolger: Der genossenschaftlich geführte Dorfladen im Erdgeschoss des Rathauses wurde mit einem kleinen Fest eröffnet und bietet jetzt den Reicheneckern die Möglichkeit, dort von Montag bis Samstag einzukaufen. 31 Stunden ist geöffnet, mehrere Hundert Artikel, viele in Bioland- oder Demeterqualität, werden angeboten.

»Der Laden lebt von seinen Kunden«

 
Was erst am 17. Dezember des vergangenen Jahres im Handelsregister beim Stuttgarter Amtsgericht mit der Nummer 720127 eingetragen wurde, ist ein Projekt, für das sich die Reichenecker jahrelang ins Zeug gelegt haben. Jetzt dürfen sie endlich einen Verkaufsladen betreiben und unterhalten. Der »Handel, das Kommissions- und Vermittlungsgeschäft mit für den Verbrauch erforderlichen Waren, Güter und Dienstleistungen« ist ihnen jetzt ausdrücklich erlaubt. So steht’s staubtrocken im Register, ohne dass damit nur annähernd beschrieben wäre, wie viel dieser Laden den Bewohnern der Teilgemeinde bedeutet.

Dass sich die Eröffnung immer wieder verzögert hat, ist dem hohen Aufwand geschuldet, der notwendig war, um alles in trockene Tücher zu bekommen. Fast drei Jahre dauerte es von der Idee bis zu ihrer Umsetzung. Erschwerend kam hinzu, dass der Genossenschaftsverband Baden-Württemberg dem Dorfladen wegen mangelnder finanzieller Perspektive eine Absage erteilte.

Das sah der Genossenschaftsverband Hamburg offensichtlich anders, der sich unter anderem durch die Berichterstattung im Reutlinger General-Anzeiger von der Tragfähigkeit des Konzepts habe überzeugen lassen, sagte am Samstag Bezirksbürgermeister Willi Igel.

155 »Genossen« haben bislang 213 Anteile gezeichnet, mehr als 20 000 Euro seien zusammengekommen – also in etwa das vom Stuttgarter Planungsbüro Reschl und Höschele errechnete notwendige Gründungskapital. Bezirksgemeinderäte, Bürger und Stadtplanungsstudentinnen sind schon 2014 von Tür zu Tür gegangen und haben für das Projekt geworben, dessen Überleben jetzt von zwei wesentlichen Faktoren abhängt: Einerseits braucht es ausreichend ehrenamtliche Helfer, die sich beispielsweise um die Warenbeschaffung, die Buchhaltung, den Verkauf oder das Putzen kümmern. 40 haben sich allein in Verkaufsteams eingetragen, sagte Vorstand Martin Kalkhof (Stellvertreter sind Henning Kästner und Michael Schick, Vorsitzender des Aufsichtsrates ist Hartmut Grass, sein Stellvertreter ist Jörg Kinkel, Schriftführer ist Bernhard Richters).

Andererseits haben es die Reichenecker selbst in der Hand, ob der Laden eine Zukunft hat. Denn auch ein genossenschaftlich geführtes Unternehmen unterliegt den Gesetzmäßigkeiten der freien Marktwirtschaft. Ohne ausreichend Umsatz ist selbst ein ehrenamtlich betriebener Dorfladen nicht lange überlebensfähig. »Der Laden lebt von seinen Kunden«, sagte Martin Kalkhof, der in dieser Einschätzung von Alexander Kreher Unterstützung erhielt.

»Schon um 8 Uhr gab es eine lange Schlange«

 

Reutlingens Finanzbürgermeister war ebenfalls zur Eröffnung gekommen, »weil dieses Projekt Modellcharakter hat«. Für die Verwaltung sei es »keine Frage« gewesen, sich zu engagieren. So werden beispielsweise die Räume mietfrei zur Verfügung gestellt, weil das Rathaus, wo der Laden untergebracht ist, sowieso im Besitz der Stadt ist. Schulden hätten jedenfalls keine gemacht werden müssen, sagte Willi Igel, der dies auch für die Zukunft ausschloss. Anders formuliert: Der Dorfladen muss sich selbst tragen, sonst wird er wieder geschlossen.

Der Ansturm am Samstag macht allerdings Mut. »Schon zur Eröffnung um 8 Uhr gab es eine lange Schlange«, sagte Martin Kalkhof. Zwei Stunden später waren die Eier ausverkauft. Nachschub, der zukünftig im Waaghäusle deponiert wird, muss also schnellstmöglich herangeschafft werden.

Ob der Reichenecker Dorfladen auch für andere Reutlinger Stadtteile eine Alternative ist, bleibt abzuwarten. Die Bezirksbürgermeister Wolfgang Heusel aus Degerschlacht, Erich Fritz aus Sickenhausen und Friedel Kehrer-Schreiber aus Bronnweiler haben sich am Samstag schon mal unter die Gratulanten gemischt. Und ein bisschen neidisch haben sie schon geschaut. (GEA)

 Dorfladen Reicheneck 13

        Die Eröffnung des Dorfladens lockte zahlreiche Besucher an.

 

 Dorfladen Reicheneck 1

 

Hier findet man alles was das Herz begehrt.

Quelle: Reutlinger Generalanzeiger, Andreas Dörr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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