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Dorfladen Krugzell - Gemütlich wie in der Stammkneipe


 

Krugzell 1

Nicht jeder hat ein Auto, nicht jeder ist gut zu Fuß. Viele Krugzeller sind deshalb froh, dass es den
Dorfladen Allgäu mitten im Ort seit zehn Jahren gibt.

 

 

 

 

 

 

„Wäre der Laden eine Wirtschaft, dann wäre er
meine Stammkneipe“, schmunzelt Josef Authried. Er steht mit einer Kaffeetasse in der Hand und einer
aufgeschlagenen Tageszeitung vor sich am Rande des Ladens an seiner Stehtheke. Er leitet ein
kleines Unternehmen im Gewerbegebiet, macht Frühstückspause im 250 m² großen Verkaufsraum.
„Wir sind ein Vollsortimenter, können preislich auch mit größeren Läden Schritt halten“, sagt
Geschäftsführer Reinhold Hipfl (71). Möglich sei das allerdings nur, weil er von seinen Einkünften nicht
leben muss und viele der acht Mitarbeiterinnen auf 400-Euro Basis arbeiten. Auch Hipfl erhält 400
Euro monatlich für Personalabteilung, Buchhaltung, Warenbestellung, und, und, und...
2003 ist er mit 60 Jahren offiziell in Ruhestand gegangen, nachdem er 30 Jahre lang das damals
beliebte Restaurant im Modehaus Wagner (heute Reischmann) geleitet hatte. Einige Monate später
kam Altusrieds Bürgermeister Heribert Kammel auf ihn zu, ob er sich nebenher ein wenig um die
Geschäfte im Dorfladen Kurgzell kümmern könne. Natürlich sagte Hipfl ja. Denn auch die Bevölkerung
stand hinter der GmbH der Gemeinde: 170 Bürger gaben Darlehen in Höhe von 41.000 Euro. Die
Einlage wird jährlich mit 1,5 Prozent verzinst. „Vor zehn Jahren war das wenig, heute ist es viel“,
schmunzelt Hipfl. Mit 20.000 Euro unterstützten zudem die EU und der Freistaat Bayern über das
Förderungsprogramm Leader.
„Noch nie haben wir in den vergangen Jahren finanzielle Hilfe der Gemeinde gebraucht“, betont Hipfl.
Lediglich für die Obst- und Gemüsetheke habe es mal einen Zuschuss über einige hundert Euro
gegeben. „Der Dorfladen Krugzell ist eine Erfolgsgeschichte“, sagt der jetzige Bürgermeister Kammel,
der damals das Projekt anschob. „Ältere Bürger ohne Auto hätten sonst keine Möglichkeit, sich selbst
vor Ort zu versorgen.“
Auf Bestellung gibt es sogar den Bring-Service nach Hause, sagt stellvertretende Filialleiterin Gabi
Rott. Paketservice, Lotto-Annahme und Kaffee-Ecke vervollkommnen das Angebot. Rott hat im
Einzelhandel gelernt, arbeitet schon seit mehr als 25 Jahren im gleichen Laden, jetzt mit dem
sechsten Geschäftsführer. „Früher war das ein Spar-Geschäft.“
Der Umsatz im 2000-Seelen-Dorf war aber offenbar zu gering, um eine Familie zu ernähren. „Das
wäre auch bei uns so“, sagt Hipfl. „8.000 bis 10.000 Euro Gewinn im Jahr sind als geschäftliche Basis
zu wenig.“ Ausreichend allerdings für das Dorfladen-Modell.
Und warum arbeitet Gabi Rott schon so lange im gleichen Laden? Die Familie habe so kein zweites
Auto gebraucht und „die Kinder konnten, als sie klein waren, schnell mal zur Mama in den Laden
schauen, wenn es Probleme gab:“
„Alles ist frisch, die Preise sind konkurrenzfähig und wenn etwas nicht vorrätig ist, dann kann man es
für den nächsten Tag bestellen“, nennt auch die Krugzellerin Evelyn Filsinger Vorteile fürs Einkaufen
im Dorfladen. Solch ein Geschäft sei wichtig fürs dörfliche Leben, fördere den Zusammenhalt.

Mit freundlicher Genehmigung
der Allgäuer Zeitung.

            

         

 

 

                                  

 

                                

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